Mrz 3, 2013 - London, Satire, Spaß    No Comments

London: Must do

Einen ganzen Monat hat es gedauert bis ich (wieder in der Heimat angekommen) endlich wieder die Zeit finde, ein paar Zeilen über meine Zeit in London zu schreiben. Jetzt kommt sie jedoch endlich. Die ultimative, galaktische, atemberaubend lustige Hitlist meiner „Must Do’s“ in der britischen Hauptstadt.

1. Im Covent Garden Market aussteigen und nicht, wie der (vernünftige) Rest der Welt den Fahrstuhl benutzen, sondern die Treppe. Die Treppe. Dieses Urgestein aus längst vergangenen Zeiten der menschlichen Entwicklungsgeschichten, dass man in London nur noch in äußerst seltenen Fällen antrifft und wenn, dann meist flankiert von den elektronischen Brüdern und Schwestern der Neuzeit, die das fettgewordenen Raubtier Mensch, in stetiger Fahrt gen Himmel befördern. Eine ganz besonderes Exemplar befindet sich an der  Covent Garden Station. Die Königin des sportlichen Aufstiegs verfügt über gefühlt 3,58 Millionen Stufen (mindestens), die die Treppe in ihrer Grundzügen ausmachen und dem müde gewordenen König der Evolution alles abverlange. Wenn man immer schon mal wissen wollte, wie unsportlich man ist – diese Treppe wird es einem zeigen.

2. Versuchen mitten in der Nacht mit dem (richtigen) Nachtbus von der BUS-Haltestelle Nine Elms, Cringle Street zur Haltestelle Tooting Broadway zu gelangen. Gleich vornweg: Es ist mir nicht gelungen. Wie dem auch sei, es beginnt mit einem circa 30-minütigen Aufenthalt an der kalten, dunklen und (in meinem Fall) nassen Haltestelle. Es gibt nur eine Linie, die einen zielsicher ins Irgendwo des Nirgendwo von Sonstwo bringt. In unserem Fall nach: Clapham Junction. Danach beginnt die glorreiche Suche nach dem „richtigen“ NACHT-Bus in „Richtung“ Tooting. Dieser ist dort nebenbei bemerkt nicht zu finden, was euch jedoch nicht bekannt sein darf, wenn ihr dort 1.30 Uhr aufschlagt. Glücklicherweise gibt es 50 Bushaltestellen, die ihr absuchen könnt, bevor ihr euch für einen Bus entscheidet. Meine Optionen: Ein Bus nach Wimbledon (Grobe Nähe Tooting) oder warten bis die erste Tageslinie fährt (Zeit: 3 Stunden!). Kurz noch mit einer vollkommen betrunkenen Australierin an der Haltstelle quatschen  und schon geht es ab. Dann noch die Straße im Auge behalten und am Ende findet ihr glücklicherweise eine Haltestelle, die man vom täglichen Arbeitsweg kennt. Geschafft! Naja fast. Jetzt noch 25 Minuten nach Hause laufen und schon liegt ihr im wohligen Bett. Das Ganze dauert auch nur 2,5 Stunden für eine Strecke, die mit der U-Bahn 20 Minuten dauert. Herrlich.

3.  Besuche den Stadtrundgang The Ghosts by Gaslight Walk der Big Bus Tours. In meinem Fall (ebenfalls): Kalt, dunkel und nass. Dafür erzählt euch ein älterer Engländer allerlei an den Haaren herbeigezogene Geschichten über angebliche Geister, von denen es keine Spur gibt. Die sich seit eine halben Jahrhundert eingeschlichene Routine des Mannes machen die Geschichten nicht unbedingt besser. Dafür werden die geneigten Besucher an drei schönen Pubs der Londoner City vorbei geführt und eingeladen sich ein Glässchen zu genehmigen. Das eigentlich Besondere der 2-stündigen Tour ist auch der Schlusspunkt der Aktion, denn das Ende markiert der (laut Guide) älteste Pub in der gesamten Stadt: Ye Olde Cheshire Cheese (1666). Es ist einfach ein uriger Laden, mit altem schwarz bemalten Holz und traditionellen englischen Biersorten. Angeblich soll sogar Charles Dickens, seines Zeichens Schriftsteller (Werke u.a.: Oliver Twist, Eine Geschichte aus zwei Städten und David Copperfield [‚Ich dachte immer der wäre aus unserer Zeit‘]), in diesem Pub ein und aus gegangen sein. Ist das was!

Jan 29, 2013 - London, Spaß    No Comments

London: Bauer sucht Frau “live”

Es war ein toller Abend in der vergangenen Woche. Ich war mit meinen zwei Kolleginnen in einem Hotel zu Gast – dem „St. Ermins“. It was just beautiful. Das Foyer ist in weis gehalten und wird von einem tollen Balkon geschmückt, den man besteigen kann, um z.B. einen Drink zu nehmen. Traditionell schön einfach. Besonders Highlight: Im Foyer des „St. Ermins“ gibt es eine Klingel. Diese Klingel war früher dafür zuständig zu klingeln, wenn es noch acht Minuten bis zur nächsten Sitzung des Parlamentes sind, da viele Politiker im St. Ermins verweilten. Diese machten sich dann auf, über den Geheimgang von „St. Ermins“ direkt ins House of Parliament. Richtig sherlock-holmes-mäßig.

Was ich jedoch eigentlich erzählen wollte: Zum Abschluss des tollen Rundgangs mit Sales-Lady Emma hatten wir ein leckeres Dinner im hauseigenen Restaurant. Wir setzen uns also hin, lassen uns die Karten bringen, bestellen Wein und starten in einen lustigen Abend. Fünf Minuten später beginnt, was RTL in seinem Kult-Knaller „Bauer sucht Weibchen“ nicht besser hättet skripten können. Vier Personen betreten die „Bühne“ des Nachbartisches. Zwei Männer mittleren Alters, ein junges Fräulein und eine ältere Dame. Im Verlaufe ihrer Konversation stelle ich fest, dass zumindest die Männchen definitiv aus dem deutschsprachigen Raum stammen. Genauer gesagt gehören sie vermutlich zu einem südländischen Stamm. Man muss sich vorstellen, dass „er“ (nennen wir ihn Karl-Heinz: dünnes Haar, schwarze Hose und Schuhe, blau-weis-kariertes Hemd, Mitte 40) genauso englisch spricht, wie deutsch. Mit einem sehr harten bayerischen bzw. österreichischen Einschlag (so genau konnte ich das nicht bestimmten). Dazu vielleicht ein paar Auszüge: „Joar, da is die Swetloana, auf jeden Fall richtig, woa?“ (Gefolgt von kurzen tiefen Lachstößen a la „hö hö hö“) „Joar, da ham mer damals a scheen Parte gehoabt.“ Die gleiche Tonlage vollzog sich auch auf Englisch. „Joar, the miet is very goad.“ Und zu guter Letzt: „How is yoar miet, Swetloana?“

„Sie“ (nennen wir sie Swetloana: blond, kleine Augen, ausgeprägte Wangenknochen, russischer Touch, nachgemalte Augenbrauen, Mitte 20, pink-bunt-kariertes Oberteil, Hose mit komische Stickereien) war bereits in der Mitte des Abends sichtlich genervt von Karl-Heinz. Er wollte offensichtlich immer mal wieder mit Ihr in Kontakt treten. So versucht Karl-Heinz zum Beispiel sein „guads“ Essen mit Swetloana zu teilen. Was sie jedoch mit einem angewiderten Blick ablehnte. Danach war ihre Stimmung sichtlich eisiger und ihre Arme dementsprechend verschränkt.

Die zwei Silberrücken am Tische hatten ihr gemeinsames Gluck offensichtlich bereits gefunden. Auch, wenn beide Männer und die jungen Miss mehrmals zwischenzeitlich den Tisch verließen und die alternde Göttergattin allein zurück bleiben musste („Das wichtige ist (eben) die Mission“). Schwetloana trat nach einer Stunde vorzeitig von der Bühne. Sie sprach noch kurz mit Karl-Heinz und lies ihn dann relativ bedeppert sitzen. Ob diese Geschichte noch zu einem guten Ende kommt oder doch wie bei Clemens und Sandra endet, werden wir wohl nie erfahren. Vielleicht auch besser so.

Jan 18, 2013 - London    No Comments

London: Wintereinbruch

Ja, im Januar kann es vereinzelt dazu kommen, dass sich Regen auch in Schnee verwandelt. So geschehen am 18. Januar 2013 auf der britischen Insel. Morgens gab es noch keine weiße Pracht. Im Laufe des Tages wurden die Flocken jedoch größer und dichter. Trotzdem berichteten meine Kolleginnen schon morgens, dass es in UK teilweise zu ausgefallenen Zügen, Flügen und ein klein wenig Verkehrschaos gekommen ist. Selbst die BBC meinte, dass es sich dabei, um die „Vor-Schnee-Auswirkungen“ handelt. Kaum fallen die Temperaturen auf unter null Grad bricht in Great Britannia die blanke Panik aus.

„Hast du auch Panik?“

Beispiel der Airport London Heathrow war heute teilweise lahmgelegt. Auf dem kleinen schnuckeligen Flughafen am Rande Londons mussten rund 400 Flüge gecancelt werden. Es ist ja aber zum Glück nicht so schlimm, wenn auf so einem Nebenschauplatz ein paar Flüge ausfallen. Viel wichtiger ist doch, dass auf den großen Umschlagplätzen wie London Southend Airport alle Flüge planmäßig starten und landen. Man muss es den Flughafenbetreibern von Heathrow ja auch nach sehen. Immerhin gibt es ihr Vielfliegerparadies erst seit schlappen 80 Jahren. Da bleibt einfach keine Zeit sich auf solche unplanbaren Naturgewalten vorzubereiten. Die Jungs vom im Juli 2012 neu eröffneten Southend Airport sind da erfahrener und wissen, wie sie ihre Rollbahn am Laufen halten. Erfahrung zahlt sich halt manchmal aus.

Aber auch „der einfache Mann“ bzw. „die einfache Frau“ war nicht ganz auf dieses scheußliche Wetter eingestellt. Das war ja auch schlimmer als “The Day after Tomorrow” und “The Core” zusammen. So dreht sich die Mitarbeiterin einer anderen ortsansässigen Visa-Firma in der Mittagspause entgeistert zu mir und meinte: “Do you also panicking because of the weatherl?” Die korrekte Antwort auf diese Frage lautete (meiner Meinung nach): „No, I’m german.“ Was mein Gegenüber immerhin zu einem freundlichen Lachen motivierte. Nun, ich muss gestehen, dass ich schon begeistert war, dass ich wenigstens etwas Schnee zu sehen bekam, aber in Angst und Schrecken haben mich die 3 Zentimeter „Schneemassen“ nun nicht versetzt.

„Sie können Ihre Kinder wieder mitnehmen“

Auch das freundliche Angebot meiner Chefin, dass ich schon eher nach Hause gehen darf, habe ich dankend abgelehnt. Dafür haben viele Schulkinder heute eine tollen Tag gehabt, weil sie vorzeitig (also fünf Minuten nach ihrem Eintreffen) wieder nach Hause geschickt wurden. Die Lehrer entließen die Schüler mit den einfachen Worten an ihre Eltern: „Also, wenn Sie ihr Kind wieder mitnehmen wollen, dann können sie das gern tun.“ Das hätte ich mir auch mal gewünscht als 10-jähriger. Ich frage mich, wie wohl die jungen gestressten Business-Muttis und -Vatis in dem Moment geschaut haben?

Zu guter Letzt hat mich das (Un-)Wetter allerdings doch noch erwischt. Ob Zufall oder nicht: Mein Bus nach Hause versagt auf halber Strecke den Dienst, sodass ich doch auf die lokale U-Bahn umsatteln musste. Nicht ohne zu erfahren, dass einige U-Bahn-Strecken aufgrund des schlechten Wetters nicht komplett befahren wurden. Ist ja auch logisch, dass die Tube … Moooooment …

Jan 12, 2013 - Fußball, London    2 Comments

London: QPR vs. Tottenham

Am Samstag habe ich noch einen letzten Ausflug zu einem Spiel der britischen Premier League unternommen. Auf dem Programm stand Queens Park Rangers gegen Tottenham Hotspurs im Stadion Loftus Road. Um gleich mal die Spannung rauszunehmen: Das Spiel endete 0:0 und war so leblos wie meine Füße an diesem bitter kalten Tag im Londoner Westen. Ein Erlebnis war es trotzdem.

Zum Beispiel ist das Stadion etwas ganz Besonderes, denn es steht (wirklich) mitten in einem Wohngebiet. Die Häuser rundherum sind nur etwa 10 Meter vom Stadion entfernt. Keine weiträumigen Parkplätze, keine ausladenden Freiflächen rund um das Stadion – alles ist eng, klein und (nun ja) alt. So gibt es zum Beispiel keine ordentlichen Anlagen für Kamera- und Übertragungstechnik. Auf der Haupttribüne muss es schon mal eine einfach Gerüstplattform tun, die einfach auf die Tribünen gestellt wurde. Oben auf stand am Samstag eine wackere Kamerafrau, die (ohne Windschutz) unglaublich gefroren haben muss. Auch die Übertragungswagen können nicht am Stadion geparkt werden, da es schlicht und ergreifend keine Fläche dafür gibt, sondern stehen in der angrenzenden Loftus Road. Das Stadion und die Wagen trennen (wie sollte es anders sein): Wohngebäude.

Und das in dem Alter

Spannende Dinge gab es (abgesehen von dem Typen der vor dem Stadion mit einem Champions League Pokal rumgelaufen ist) auch vor dem Anpfiff. Ich habe Brad Friedel(!) live gesehen. Ein Mann wie ein Baum, der ungefähr solange im Profigeschäft ist, wie ich auf dieser Erde. Inzwischen 42 Jahre alt spult der US-Amerikaner immer noch ein ordentliches Aufwärmprogramm ab und ist so beweglich, wie ich es nie sein werde. Ihr könnt ja mal versuchen eure Füße über den Kopf auf einen Ball zu legen während ihr mit dem Rücken auf dem Rasen liegt. Einfach schräg und das in dem Alter.

Während des Spiels wurde ich von den „hochqualifizierten“ Kommentaren zweier Deutscher in der Reihe hinter mir „beglückt“. Okay „Deutsche“ ist gelogen, einer war Österreicher. Man kann ihnen einfach nicht entkommen. Da bin ich schon extra im Ausland und treffe immer noch bei jedem Freizeitspaß meine Landsleute. Und, um eine der vielen Fragen zu beantworten, die meine beiden Nasen erörterten: Nein, das Bild ist nicht verzerrt, wenn man einen Platz hinter dem Tor hat, es sei denn man hat einen KIDO, einen Knick in der Optik.

“Come on you R’s”

Den Abschluss dieses Beitrags gebührt jedoch König Fußball und damit dem Spiel des Tages. In der ersten Halbzeit befand sich die Partie auf einem erschreckend schwachen Niveau. QPR war von Manager Harry Redknapp unglaublich defensiv eingestellt, womit die einzige Spitze Adel Taarabt häufig auf sich allein gestellt war. Tottenham fiel im Gegenzug nur wenig ein, um den Riegel der Rangers zu überwinden. Da halfen auch die Anfeuerungen der Heim-Supporter „Come on you R’s“ (nicht zu verwechseln mit „Come on you Arse“) nichts. In der zweiten Halbzeit kam Tottenham besser ins Spiel und zu ein paar guten Gelegenheiten, die jedoch durch eigenen Unvermögen und den guten QPR-Keeper Júlio César ungenutzt blieben. Die Heimmannschaft hatte (wenn’s hoch kommt) eine nennenswerte Chance und kann mit dem 0:0 sehr zufrieden sein. Nicht das beste Spiel meines Lebens, aber Premier League und wieder ein Erlebnis, das ich nicht vergessen werde.

Jan 8, 2013 - London    No Comments

London: Mit Amy Winehouse durch die Nacht

Habe gerade zum ersten Mal den Blog meines Kumpels Jakob gelesen, der sich aktuell bei einem Auslandssemester in Island befindet (Sehr empfehlenswert). Da wurde mir wieder schmerzlich bewusst, wie lange ich nichts mehr von mir hören lies. Jakob meinte: „Ran an die Tasten.“ Gesagt. Getan.

Aber über was schreibt man am besten? Genau. Das Vergnügungsviertel. Im Fall London heißt es Soho und befindet sich mitten in der Stadt. Einfach am Piccadilly Circus aussteigen und gen Norden wandern, dann kommt auf der rechten Seite China Town und auf der Linken eröffnet sich die bunte, leuchtende Welt des Londoner Nachtlebens.  Ob Night Clubs, Casinos, Pubs, Restaurant oder ein verruchter Stripschuppen – hier gibt es nicht, was es nicht gibt.

Ich durfte vor Kurzem Bekanntschaft mit der Live-Music-Bar „Jazz after Dark“ schließen. Der Laden kam mir jedoch eher vor wie der Amy-Winehouse-Gedächtnis-Schrein. Unzählige gemalte Porträts der verschiedenen Sängerin schmücken das Etablissement. Auf einem war auch der Besitzer Arm in Arm mit einer leicht zerstört wirkenden Winehouse zu sehen. Der Atmosphäre tut dies jedoch keinen Abbruch. Überall im den kleinen, gemütlichen Laden leuchten bunte Lichter, die Cocktails sind sehr zu empfehlen und wie der Name schon sagt, wird an verschiedenen Abenden in der Woche Jazz-Musik live zelebriert. So weht ein Hauch von langer Nachtleben-Tradition und den Siebzigern in der kleinen Bar mit seinem etwas in die Jahre gekommen Besitzer-Ehepaar.

Tritt man dann zu gerüttelter Stunde vor die Tür, hört es nicht auf bunt zu leuchten und zu blinken. Dies liegt jedoch nicht an einem erhöhten Spiegel von Ethanol in der Blutbahn, sondern daran, dass das gesamte Viertel auch nachts hell erleuchtet ist. So ist es auch nicht schwer den Weg zur nächsten Tube zu finden, um dann genüsslich nach Hause zu scheppern. Wenn es denn vor 0 Uhr ist und noch eine U-Bahn fährt. Falls nicht, dann muss der Nachtbus herhalten und der Fahrgast darf sich auf mehrere Stunden Busfahrt und viele weitere Stunden Suche nach der richtigen Haltestelle und der korrekten Linie einstellen. Vorteil ist, dass man am Ende wieder nüchtern Zuhause ankommt.

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